Verteidigung.

Gewaltfreier Widerstand sei wesentlich effektiver als gewaltsame Lösungsversuche von Konflikten. Diese Rechnung untermauerte Stephan Brües vom Bund für Soziale Verteidigung bei seinem Vortrag „Wehrhaft ohne Waffen“ am Dienstag, den 15.10.2025 in der Stadtbibliothek Bruchsal mit Beispielen. Eines davon war der friedliche Widerstand in Bulgarien gegen das Naziregime Deutschlands, wo durch bürgerliches Engagement dafür gesorgt war, dass kein einziger jüdischer Mitmensch deportiert wurde. Ein anderes, dass es die Guatemalische Bevölkerung, insbesondere auch die Indigene, es vor einem guten Jahr geschafft hat, ihren Wunschpräsident ins Amt zu heben. Regimewechsel hätten laut Brües gewaltsam eine Erfolgsquote von 45 Prozent, gewaltfrei jedoch eine von 70 Prozent.

Aber warum sind gewaltfreie Aufstände so erfolgreich? Zunächst nannte er die Tatsache, dass an gewaltfreien Aktionen alle Menschen beteiligt sein können, an Gewaltvollen nur Militärs und Paramilitärs. Auch seien gewaltbereite Gruppierungen hierarchisch organisiert, während der gewaltlose Widerstand eine demokratisch aufgebaute Angelegenheit ist. Wenn Militärs an der Macht sind werden auch innere Konflikte nicht weiter bearbeitet, was bei gesellschaftlich organisierter Machtübernahme anders aussieht.

Auch hätten gewaltfreie Aufstände langfristige Ziele und einen Prozesscharakter, so Brües. Es würden Bürgerrechte gesucht, anstatt nur polizeiliche Ordnung. Das Gewaltfreie ist konstruktiv und kommunikativ, die Zivilbevölkerung und Aktivist*innen werden geschützt, was bei militärischen Interventionen nicht der Fall ist. Gewaltfreier Widerstand ist Verteidigung von Rechten und Interessen ohne Waffen. Der Schutz der Menschen steht dabei im Vordergrund, ihre Lebensräume und der Erhaltung von Selbstbestimmung und Freiheiten. Er steht dabei im Gegensatz zur Zerstörung oder Kapitulation, die militärisch bedingt sind. Akteure sind die Gesellschaft und nicht das Militär, der Bevölkerungsschutz ist zentral, weniger die Landesverteidigung.

Aber auch die Konfliktprävention spielt eine wichtige Rolle, der Aufbau einer resilienten Demokratie mit all ihren kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Aspekten, bildet einen guten Schutz vor gewaltvollen Streitigkeiten, die gesamte Gesellschaft muss sich hin zum Frieden entwickeln, von unten nach oben aufgebaut sein, basiert auf soziale, gegenseitige Hilfe. Brües machte auch klar, dass gemeinschaftliche Werte oder auch Symbole zur Bildung dieser Resilienz beitragen müssen. Bei der sozialen Verteidigung müsse nicht nur die Erkenntnis der eigenen, sondern auch die Betrachtung der legitimen Bedürfnisse der gegnerischen Partei eine Rolle spielen, also die umfassende Ansicht des Konfliktes von allen Seiten und das Verständnis auch für den Anderen. Der „Feind“ muss nicht nur in seiner Funktion als politischer Akteur, sondern auch als Mensch mit natürlichen Ansprüchen betrachtet werden. Es sollen friedliche Verhandlungen geführt und bindende Verträge geschlossen werden.

Insbesondere in der anschließenden Gesprächsrunde wurde klar, dass für die Friedensbewegung die Zeit drängt, aber dennoch die Geduld, die für den Aufbau friedenserhaltender Strukturen notwendig ist, nicht verloren gehen darf. Als optimistische Mitgift betonte Brües jedoch, dass rechnerisch alleine drei aktive Prozent der Bevölkerung ausreichen, um eine friedvolle Veränderung herbeizuführen.

Beitrag von Dr. Wolfgang Weismann